
Wie sah die Herzogseinsetzung im Spätmittelalter aus? Eine ziemlich genaue Beschreibung ist für die feierliche Inthronisierung von Meinhard von Tirol, am 1. September 1286, erhalten. Der Abt Johann von Viktring beschrieb sie, er wurde nach dem Zisterzienser Kloster in Viktring bei Klagenfurt benannt. In etwas verkürzter Form lautet die Darstellung folgend:
In der Nähe des Mons Carantanus, nahe der Kirche des Hl. Petrus, ist ein Stein, auf dem ein freier Bauer sitzt, der diese Verrichtung nach der Erbfolge macht. In einer Hand hält er einen scheckigen Stier, in der zweiten eine Stute gleicher Farbe. Kommt der Herzog, gekleidet in Bauerngewand in Begleitung von Adligen und Rittern, in Anwesenheit von hohen Beamten, kirchlichen Würdenträgern und anderen hohen Gästen, in die Nähe des Steins, ruft der freie Bauer in slowenischer Sprache: »Wer ist er, der da herkommt?« Die Beisitzer, die Begleitung des Herzogs, antworten: »Das ist der Herzog des Landes.« Der Bauer setzt fort: »Ist er ein gerechter Richter, der das Wohl der Heimat, des freien Standes sucht, der würdig ist? Ehrt und beschützt er den christlichen Glauben?« Sie antworten ihm: »Er ist es und er wird es sein!« Der Bauer-Einsetzer setzt fort: »Ich frage also, mit welchem Recht kann er mich von diesem Stein beseitigen?« Sie antworten ihm: »Mit 60 Geldstücken, diesem gescheckten Tieren und dem Gewand, in das der Herzog gekleidet ist; er wird auch dein Haus frei und abgabenfrei machen.« Der Bauer gibt dem Herzog einen leichten Hieb auf die Wange und befiehlt ihm dabei, er soll ein guter Richter sein. Er steht auf und überlässt dem Herzog den Platz. Der Herzog, ein Schwert in der Hand, tritt auf den Stein und schwingt das Schwert in alle Himmelsrichtungen und zeigt damit, dass er für alle ein gerechter Richter sein wird. Danach trinkt er kaltes Wasser aus dem Bauernhut.
Vom Berg eilt der Herzog zur Kirche von Maria Saal, in der ein feierlicher Gottesdienst folgt. Nach dem Ende der Zeremonie wird der Herzog seinem neuen Stand gemäß neu gekleidet. Es folgt ein festliches Mahl. Dann geht der Herzog zum Zollfeld (zum Herzogsstuhl), um zu richten und seine Lehen zu vergeben.
Der Herzog spricht, nach den Berichten zu urteilen, während der Zeremonie beim Fürstenstein kein einziges Wort. Auf die Fragen des freien Bauers antwortet (genauso in Slowenisch) die Begleitung des Herzogs. Der Herzog verrichtet alle Bewegungen, die wesentlicher Teil der Zeremonie sind, schweigend.
Freske von Josef Ferdinand Fromiller (Großer Wappensaal - Landhaus Klagenfurt), 1740
"Enthronement of the Dukes of Carinthia", Illustration in "Österreichische Chronik von den 95 Herrschaften", Leopold Stainreuter (1340-1400)
"Herzogstuhl" aus der Serie "Burgen und Schlösser", Bleistiftzeichnung, Markus Pernhart, um 1860