
Im scheinbaren Bestreben, nah an den mittelalterlichen Quellen, die in der damaligen deutschen Sprache geschrieben sind, zu bleiben, beharren einige Kärntner Historiker darauf, dass der Begriff »windisch« auch heute noch mit keinem anderen Wort als mit »windisch« zu übersetzen ist. Sie vernachlässigen die Tatsache, dass der Begriff »windisch« im Laufe der Jahrhunderte wesentlich seine Bedeutung veränderte. Überhaupt war der Begriff „windisch“ im Mittelalter nicht nur auf das Kärntner Slowenisch beschränkt. Zur Entstehungszeit der spätmittelalterlichen deutschen Texte über die Herzogseinsetzung hatte er eine breitere Bedeutung, als er es im 19. und 20. Jahrhundert in Kärnten bekam. In der Zeit des Nationalismus war der Begriff wesentlicher Bestandteil des deutschen Nationalismus und der antislowenischen Bewegung, derem Bestreben es war, dem altertümlichen Begriff einen neuen Inhalt zu geben. Einerseits wurde damit das Slowenische bezeichnet, das die Kärntner und Steirer sprachen (im Gegensatz zu den Krainern), andererseits wurde er auf die dialektale Ebene beschränkt, indem behauptet wurde, dass das Slowenische vor allem in Kärnten keine schriftliche, Buch- oder Standardvariante hat – dass es ein Dialekt ist, und somit der Entwicklung nicht würdig und nicht fähig.
Der Begriff »windisch« hatte also im Mittelalter und in der Neuzeit mehrere Bedeutungsnuancen. Im weitesten Sinne umfasste er jenen Inhalt, den heute der Begriff »slawisch« abdeckt. Weiters findet man ihn vor allem als Bezeichnung für die nächsten östlichen Nachbarn der Deutschen, die Vorfahren der heutigen Slowenen und Laußitzer Sorben und auch der Slowaken. Die engste Bedeutung bekam er gerade in der deutschen Nachbarschaft der Slowenen, vor allem in den multiethnischen Ländern Kärnten und Steiermark, wo die Sprache nicht nach dem Land benannt werden konnte, wie es hier und anderswo, früher oder später geschah. Hie und da wurden beide Schichten verflochten, zum Beispiel gerade bei den Slowenen. Einerseits nannten die Deutschen die Sprache der slowenischen Bevölkerung »Windisch« und auch »Krainerisch«. Und sogar im Slowenischen formte sich die Doppelheit in der Benennung aus, denn verwendeten die Bezeichnungen Slowenisch und Krainerisch. Bis zu einem gewissen Maß war es so auch in der ersten Epoche der slowenischen Literatur, in der Zeit des Protestantismus. Die slowenischen protestantischen Autoren nannten ihre Sprache im Deutschen fast immer »windisch«, oder wenn sie slowenisch schrieben »slovenski/slowenisch«, seltener »krainerisch« beziehungsweise »kranjski«. In der zweiten Hälfte des 19., vor allem aber in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, zur Zeit der nationalen Kämpfe also, bekam der Begriff »windisch« eine neue Bedeutung. Damit benannten die deutschnationalen Gegner der slowenischen Gleichberechtigung der Slowenen vor allem jene Slowenen, die sich nicht der slowenischen nationalen Bewegung angeschlossen hatten.
Jene die in Kärnten Slowenisch sprachen, bezeichneten das Slowenische in ihrer eigenen Sprache als slowenisch/slovenski oder slovenji, im Deutschen nannten sie die Sprache lange »windisch«. Der Begriff »slowenisch« entstand erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts, ungefähr vierhundert Jahre nach der letzten Herzogseinsetung bei Karnburg, zur Geltung kam er erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts.
Der Fürstenstein