
Der Name für die Slawen, dessen Wortstamm »vend-« oder »vind-« (winden/winidi/winades/vionudi/guinedes/venti) lautet, scheint in den schriftlichen Quellen bis zum 6. Jahrhundert nach Christus als Parallele zum lateinischen Begriff »Slavi«, »Sclavi«, »populi Sclavorum« auf. Er hat aber noch ältere Wurzeln, weil die germanischen Stämme schon seit jeher ihre Nachbarn im Osten so bezeichneten, ungeachtet der Sprache, die sie verwendeten. Mit einer ähnlichen Entwicklung hat man es auch beim Begriff »Welsche« zu tun, mit dem die germanischen Stämme die Romanen bezeichneten. Beide Begriffe hatten aber davor eine andere Bedeutung. Die Venedi waren ein Volk unbekannten Ursprungs und unbekannter Sprache, das an der Küste des Baltischen Meeres lebte. Einige verbinden die Begriffe mit den Veneti, die im Norden der Apenninischen Halbinsel lebten (dieser Stamm verbirgt sich in den regionalen Bezeichnungen Veneto, Venetien, Benečija oder in der Ortsbezeichnung Venezia, Venedig, Benetke). Die Bezeichnung »Walhoz/Welsche« geht aus dem Ethnonym Volcae hervor, welches zunächst die Bezeichnung für die Kelten war, und dann für die Romanen. Bezeichnungen für Völker (Ethnonyme) wurden also übertragen. Vom 9. bis 15. Jahrhundert taucht sogar die Übertragung des Ethnonyms »Vandali« für die Slawen auf, hauptsächlich für die Elbslawen, die Slawen an der Elbe. In einem handschriftlichen Wörterbuch aus dem 13. Jahrhundert, das im Nationalmuseum in Prag aufbewahrt wird, wurden die Begriffe »Wandali« und »wint« als »Zlouenin« (als Slovenin zu lesen) übersetzt. Damit kommt man zum Begriff, mit dem die Slawen sich selbst bezeichneten und den man schon in den ältesten kirchenslawischen Texten findet.
Der Fürstenstein