
In den krichenslawischen Texten findet man vor allem für die Bewohner von Mähren und Pannonien den Begriff »Slovenin«, im Plural »Slovene«, und für die Sprache die Bezeichnung »slovenski jezik (slowenische Sprache)«. Berechtigterweise kann man darauf schließen, dass die Karantaner in den Ostalpen auch so hießen. Der Wortstamm »sloven« ging schon früh in die lateinische Bezeichnung »Slavi«, »slavice« über, und tatsächlich verwenden die Schreiber an verschiedenen Stellen, die sich auf die Karantaner und ihre Sprache beziehen, diese Begriffe. Als die slowenischen Texte in gedruckter Form zu erscheinen begannen, wurde diese Bezeichnung üblich. Am besten blieb diese Selbstbezeichnung bei der slawischen Bevölkerung, die im direkten Kontakt zu Nichtslawen lebte, erhalten. Doch so hießen nicht nur die Vorfahren der heutigen Slowenen, sondern auch Völker der ganzen slawischen Welt. An erster Stelle sind das die Slowenen und Slowaken (in Nachbarschaft zu den Deutschen und Ungarn), dann die ausgestorbenen Slowinen (in Nachbarschaft zu den Deutschen). Auch in Novgorod und Umgebung (in Nachbarschaft zu den Finnen) findet man diesen Begriff und noch in Dalmatien (in Nachbarschaft zu den Romanen) und bei den kajkawischen Kroaten (in Nachbarschaft zu den Ungarn). Nach all dem zu urteilen, unter anderem nicht zuletzt durch die dialektalen Quellen, blieb diese Selbstbezeichnung ohne Unterbrechung von den ältesten Zeiten bis heute erhalten. Ab dem 17. Jahrhundert ist das fast der einzige Begriff. In den Texten der Bukovniki (autodidakte Schreiber) nennen die Schreiber ihre eigene Sprache »slovenski jezik/slowenische Sprache«, »sovenje«, »sovenska špraha«. Eine Ausnahme stellt Drabosnjaks Passionsspiel/Pasijon (1818), dar. Der Autor sagt dass er es aus der deutschen Sprache in die Kärntner Sprache übersetzt hat/»nemčiga v koroško špraho«. Auch die Slowenen, die eine gestörte Beziehung zur eigenen Sprache entwickelt und sich dem deutschnationalen Lager angeschlossen haben, nannten sich selbst Slowenen und ihre eigene Sprache slowenisch bzw. slovenji.
Der Fürstenstein im Großen Wappensaal in Klagenfurt / Celovec