
Am Ende des 6. Jahrhunderts nach Christi siedelten sich im Gebiet der Ostalpen Slawen an. Sie kamen in ein Gebiet, das in der Zeit des römischen Imperiums hauptsächlich zur Provinz Norikum gehörte. Wegen der Krise und des Zerfalls des römischen Kaiserreichs sowie des Drucks verschiedener Stämme - zunächst der Germanen, danach der Slawen und der Awaren – zog sich der Großteil der römischen Bevölkerung aus diesem Gebiet zurück. Am Ende des 6. Jahrhunderts, genauer um das Jahr 592, werden diese Landschaft in einer langobardischen Quelle einfach »Sclaborum provincia«, eine Region der Slawen, und ihre Bewohner Slawen (Sclavi) gennant. Allerdings ist das nicht die einzige Bezeichnung, die in dieser frühen Epoche nach der Besiedelung der Ostalpen durch die Slawen überliefert ist. Bald nach dem Jahr 630 findet man in den fränkischen Quellen die Bezeichnung »marca Vinedorum«. Um das Jahr 700 wurde das erste Mal der Name der Region »Carantanum« erwähnt. Für den Ort, in dem das Machtzentrum lag, wird im 9. Jahrhundert der Name mit dem gleichen Wortstamm urkundlich erwähnt: 860 Carantana, 888 Carenta, Carentanum, Corontana curtis. Auf dieser Grundlage schließen die Historiker und Namensforscher darauf, dass zunächst gerade diese Mikroregion mit dem Berg (mit dem heutigen Namen Šenturška gora/Ulrichsberg) diesen Namen hatte, der dann in Verbindung mit der Rolle des damaligen Herrschers weiter verbreitet wurde, und schließlich auch auf die Bewohner der Region überging.
Zu Beginn des 8. Jahrhunderts benannte ein Autor aus Ravenna die Bewohner dieser Region als erster mit dem Wort »Carontani«. Diese Bezeichnung wurde einige Jahrhunderte für das slawische Volk verwendet, das in den Ostalpen lebte. In manchen Bereichen standen die Karantaner an der Spitze der Entwicklung der slawischen Völker. Sie sind die ersten im Kreise der slawischen Völker, die sich nach dem Land, in dem sie lebten, benannten. In der Zeit nach dem Ende der »Völkerwanderung« entwickelten sie selbstständig und in Kontakt mit ihren Nachbarn das erste staatliche Gebilde, das ein eigenes Machtzentrum am Boden des heutigen Österreichs hatte. Bis Mitte des 8. Jahrhunderts wurde die Macht des Herrschers vererbt. Die Karantaner hatten als erstes slawisches Volk in organisierter Form den katholischen Glauben angenommen. In Verbindung mit dem sukzessiven Zerfall des politischen Gebildes mit dem Namen Karantanien und mit der Ankunft großer Gruppen von Kolonisten, die den slawischen Altsiedler zahlenmäßig überlegen waren, vor allem aus dem bayrischen Raum, begann die Bezeichnung „Karantaner“ das slawische Element zu verlieren. Im Mittelalter bildeten sich in enger Verbindung mit der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung erneut slawische Völker des Mittel-, Ost- und Südosteuropa heraus. Unter ihnen waren die Karantaner eine der ersten. In vielen mittelalterlichen Handschriften und Verzeichnissen, die Völker aufzählen, findet man Aufzeichnungen über die Karantaner. In der langen Reihe der slawischen Völker findet man auch „Kärntner“ (Carinthi, in einer russischen mittelalterlichen Chronik werden sie Chorutane genannt). Anders gesagt: wenn Karantanien längere Zeit selbstständig geblieben wäre, und die Bevölkerung mit slawischer Sprache vorherrschend gewesen wäre, gäbe es heute aller Wahrscheinlichkeit nach in der Mitte Europas ein Volk mit dem alten Namen Karantaner.